Juni, 2008

Donnerstag, 26. Juni 2008

EUROPA.

Die deutsche Sprache ist wie ein Bild von van Gogh.

Dunkler Sonnenschein. Schattige Wortknäuel

spreizen sich, Muskelfasern gleich.

Hautschichten. Bauchwand. Streifzüge

im Zeitwortlabyrinth.

Von Gewissensqualen sich windende

Landschaft, die Sprache durchbohrt

die Geschichte, die Geschichte

durchbohrt die Sprache, wie Salz den Schinken.

Krähen im Sturm. Gesprächsfetzen,

die überm Roggenfeld flattern.

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László Végel: Gute Nachricht

Donnerstag, 26. Juni 2008

In Újvidék haben die Radikalen die Wahlen verloren und ihre Machtstellungen räumen müssen – das ist eine gute Nachricht, und ich nehme sie mit Erleichterung zur Kenntnis, doch zu allzu großen Hoffnungen berechtigt sie nicht. Die Wahlen von 2000 sind noch frisch in Erinnerung: Milosevic verlor sie, es war Kostunica, der mit einem Vorsprung von einigen Zehntelprozenten gewann und von den europäischen Diplomaten gefeiert wurde. Sie kamen, einer nach dem anderen, um sich vor ihm zu verbeugen. Waren sie naiv? Oder erlagen sie der Selbsttäuschung? Wer weiß.

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Schmücken wir unseren Wartesaal

Samstag, 21. Juni 2008

neu mit den richtigen Bildern vom Falschen aus. Darin stecken die schrägen Utopien von gestern und heute, so scheint es mir nach der Lektüre ihres letzten Blogs, lieber Herr Végel.Die Weihnachtsmänner des Westens, die die Länder des einst Sozialismus genannten ancien regime in eine blühende Bankenlandschaft zu verwandeln drohen, verbünden sich mit den Helden des Umsturzes, der doch eigentlich wie von selbst unverhofft und heldenlos geschah. Denn neue Denkmale müssen her, die jedes Volk offenbar immerzu benötigt. Soweit bleibt nichts Neues und das alte Theater der Absurdität verpflichtet. Was aber ist mit dem Traum vom alten Europa, das einer Seele gliche und als Körper einer schönen Kultur bedürfte?  (weiterlesen…)

László Végel: Von Banken und Plastiktüten

Mittwoch, 18. Juni 2008

Zu Beginn der achtziger Jahre schien es noch, als bedeute Europa auch Kultur. Oppositionelle Schriftsteller und Intellektuelle träumten damals noch nicht von der Weltbank und von Investoren, sondern von der Kultur - als der Seele Europas. Sie seien naiv gewesen, sagen die heutigen Machthaber, und hätten von freier Marktwirtschaft keine Ahnung. An dieser Einschätzung ist gewiss etwas Wahres dran. Doch warum bringen wir dann den ersten professionellen Schmugglern so wenig Respekt entgegen?

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László Végel: Bekenntnis eines Waisenkindes

Montag, 16. Juni 2008

Budapest, Wien und anschließend Frankfurt heißen die Stationen meiner Lesereise. Für die Einladungen bin ich sehr dankbar, zumal die damit verbundenen Honorare mir sechs Wochen sorglose Existenz in Újvidék sichern. Ich bin ein Überlebender, das heißt ein Gastarbeiter.

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