Februar, 2008

Kerzen und Fahnen

Montag, 25. Februar 2008

Die erbosten Nationalisten schlagen alles kurz und klein, die anderen suchen Besinnung und religiöse Einkehr. Dazwischen die Ratlosen und Zögernden. Tadic als Pilatus, der oft nach Haus muss, um seine Hände zu waschen ? Eigentlich schildern Sie ein Vakuum, liebe Daniela, das jene für sich nutzen werden, die die schwankenden Seelen als erste wie leere Seiten mit blutigen Zeichen besetzen, beschreien und beschriften werden. Die “ewige Wiederkehr des Gleichen” fällt mir dazu ein. Wie oft erleben wir das noch, - das allein gelassene, verwaiste Volk, das bald wieder zum Seelenmaterial, zur Beute eines oder mehrerer rivalisierender Demagogen werden wird? Das höre ich aus Ihren Beschreibungen heraus.An einen Kantischen Ausgang aus der “selbstverschuldeten Unmündigkeit” vermag ich kaum noch zu glauben. (weiterlesen…)

Intermezzo

Freitag, 22. Februar 2008

Liechtenstein, Kosovo und Serbien, lieber Peter, durch Ihren Text ist mir wieder einmal klargeworden, was wir derzeit für ein merkwürdiges Europa-Panorama erleben. Nach den gestrigen Demonstrationen in Belgrad beginne ich trotzdem erst einmal mit den Ereignissen vor Ort…. (weiterlesen…)

Das Streben der Kleinen nach Größe

Montag, 18. Februar 2008

während wir uns hier mit dem Skandal der Biedermänner, die im Operettenstaat Liechtenstein deutsche Steuergelder in Millionenhöhe hinterzogen, herumschlagen, haben Sie dort unten, liebe Daniela, einen neuen, separaten Klein-Staat erhalten.Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler von der Humboldtuniversität hält das Ganze für ein sozialtherapeutisches Intermezzo. Die Albaner im Kosovo litten sicherlich an einem tief sitzenden Unterdückungsgefühl, das weit in die Geschichte zurückreiche. Bald aber werde man auch dort bemerken, dass sogar eine unabhängige Politik weniger utopisch geartet sei, als eben nur ein ziemlich profanes, mühseliges Geschäft.Sie spüren den bundesrepublikanischen Stolz auf die Tugend des Bohrens dicker Bretter und das Backen kleiner Brötchen. Diese Tugend hat großdeutsche Träume vertrieben, das stimmt, aber ob das ein Rezept für andere sein kann, das ist die Frage.Was meinen Sie dazu?

Prophezeihungen aus Ost und West

Dienstag, 12. Februar 2008

Lieber Peter, ich glaube immer mehr, dass es vor allem die Bequemlichkeit ist, die im Westen wie im Osten die Meinungsbildung bedient. Es ist doch schön einfach (und man kanns sich auch gut merken) wenn der Kosovo plötzlich zu Palästina wird. Liegt er nicht auch geografisch gleich nebenan? Nein? Na auch egal, Hauptsache es wird geschossen. Schade, wenn solche pauschalen, wenig durchdachten Angstmacher nun auch in der Süddeutschen auftauchen. Und umgekehrt schade, wie einfach hier (in Belgrad) das Bild vom “bösen Ami” mehrheitsfähig wird, der habgierig und ungerecht, vielleicht sogar mittels schwer zu durchschauender Klauseln in den geplanten EU-Assozierungsplänen, Serbien von der Landkarte verschwinden lassen möchte. (weiterlesen…)

Serbisches Palästina?

Sonntag, 10. Februar 2008

Eine böse Propezeiung geht um.  Was ist dran an ihr? Die politische Szene Serbiens ist nicht gerade transparent zu nennen,  das nützt ihrer Hysterisierbarkeit.  Der Nationalismus z.B. kann dort wohl  nicht eindeutig als scheußliche europäische Erb-Krankheit bezeichnet werden, sondern muss sogar von  aufgeklärten, liberalen Kräften schonungsvoll und behutsam behandelt werden. Der Flüsterton ist diplomatisch angesagt. Es schickt sich nicht, dem kranken König des Volkes zu sagen, er stinke. Man darf den Tiger nicht reizen, sonst legt er wieder los und verwandelt ganze Landstriche in blutende Opfergegenden.

Nach all dem Terror des letzten Jahrhunderts eigentlich eine Idiotie, eine Zumutung, finde ich. 

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