“…Und in der Ulmer Kultur, guter Seismograph, entstand auch seit längerem nichts Neues mehr, kein Aufbruch, kein Zorn, noch nicht einmal ein Skandälchen. Nirgendwo? Na, wenigstens aus dem Donaubüro ist Rumoren vernehmbar. Aber dort sind ja auch Peter Langer und Peter Zwey beheimatet, zwei, wie bestellt für Kolumnenstoff.
Ach der Langer, angreifbar wie eh, denn mit Geld umgehen, das kann er einfach nicht, wie jedes Kind weiß. Und nun, ach, sogar im Doppelpack mit dem Zwey. Oft mehr Kabarettist als Literaturwissenschaftler und mit Stetigkeit vor allem Personifikation des Nicht-Diplomaten. Einer, der aus schierer Streitlust Worte zu Speere schmiedet. So ein Polterer soll auch noch auf einer städtischen Honorarliste stehen?
Raus mit ihm, furort Gunter Czisch, Ulms Kämmerer und angesäuerter Co-Kassenwart des Donaubüros. Dabei hat Zwey mit einer erlesenen Literaturreihe eben mal etwas Weltläufigkeit nach Ulm gebracht. Natürlich hat er zuerst furort! Zwey Mal und ausgerechnet im Newsletter des Donaubüros. Ob intakte Seilschaften des berüchtigten Ceausescu-Geheimdiensts Securitate wohl bis ins EU-Parlament reichten, fragte er rhetorisch in einem literarischen Kommentar. Czisch fürchtet ob solcher Despektierlichkeit, die EU könne Ulms Donauaktivitäten nicht mehr so sehr gewogen sein. Zwey provoziert Liebesentzug bei Eurokraten? Eigentlich lächerlich.
Was Langer betrifft, so hält er offenbar so manche Absprache nicht ein, wie eh und je, wobei, niemals vergessen, im Baubereich immer viel mehr überzogen wird. Trotz unheilbarer Rechenschwäche ist er gut für Ulm, denn genialer Netzwerker, als der Langer seinem obersten Dienstherrn, Ivo Gönner, so manchen Roten Teppich auf den Stegen längs der Donau vorbereitet. Für den OB gibts neue Bühnen, die Donauidee gedeiht, das kleine Ulm blinkt auf der politischen Landkarte. Durch die winzige Donauakademie weht Geist. Und Gunther Czisch muss schauen, dass ihm die beiden Zampanos nicht zu viel Geld verbuttern.
Das ist einerseits im Vergleich zur Gönners natürlich die schnödere Rolle. Andererseits macht er gerade ziemlich viel aus ihr. Auf ihn läufts raus, wenn die CDU einen Gönner-Nachfolger ins Wahlrennen schickt. Die dafür nötige Profilierung gewinnt man halt mal nicht im Schatten von Gönners breitem Kreuz. Zum Zwey-Bashing passt seine Philippika gegen die Kulturtreibenden, nachdem die sich kritisch zur Beschneidung ihrer letzten freien finanziellen Spielräume geäußert hatten. Ach, der Finanzzuchtmeister und die unerziehbaren Kultur-Strolche - da reift offenbar wohl gerade großes Kolumnenstoff-Potential heran.”
Ulmisches. Kommentar von Thomas Vogel, am Mittwoch 27.01.2010 in Ulmer Wochenblatt.